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Importiertes Pferdefleisch aus Qualtransporten
(07|07|09)  Pferdefleisch ist bei den Schweizerinnen und Schweizern mit einem Pro- Kopf-Verbrauch von 680 Gramm pro Jahr im Vergleich zu einem jährlichen Gesamt- konsum von 51 Kilogramm Fleisch nicht besonders beliebt. Trotzdem reicht die Inlandproduktion nicht aus. Immer mehr Pferdefleisch wird aus Mexiko importiert. Dahinter steckt jedoch ein grosses Tierleid, da die Pferde über Tausende von Kilo- metern aus den USA transportiert werden und unter schrecklichen Bedingungen in mexikanischen Schlachthöfen enden.

Mit einem Ruck setzt sich der riesige Truck in Bewegung. Nur mit Mühe können sich die 43 eng zusammengepferchten Pferde auf den Beinen halten. Bei jeder Kurve, jeder Bremsung, versuchen sie mühsam auszubalancieren. Nicht allen gelingt dies, manche stürzen, von den Fahrstrapazen geschwächt, zu Boden und werden von den verängstigten Artgenossen getreten und verletzt. Doch niemand kümmert sich um sie. Die brutale Fahrt im zweistöckigen Lastwagen geht bereits über 2’350 lange Kilometer ohne Unterbruch. In der ganzen Zeit erhalten die Pferde weder Wasser noch Futter. Nach 34 Stunden hält der Viehtransporter im texanischen Morton, einem Grenzkaff nahe Mexikos, endlich zum ersten Mal an. Doch damit ist die Tortur für die Pferde noch nicht zu Ende. Weitere 1’100 Kilometer und fast 20 Stunden Fahrt liegen noch vor ihnen, bevor sie im mexikanischen Schlachthof ihren letzten Weg gehen.

Grund für diese extrem langen Transporte ist der unter der Regierung von Präsident Georg W. Bush gefällte Entscheid, die drei Schlachthöfe für Pferde in den USA zu schliessen. Seither werden sämtliche zur Schlachtung bestimmten Pferde aus den USA entweder nach Mexiko oder Kanada transportiert. Die Exporte nach Mexiko sind seither um 312 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu 10'783 Pferden im 2006 landeten im letzten Jahr 44'475 US-Pferde in den Schlachthöfen Mexikos.

Die schweizerische Pferdefleischproduktion, welche vor allem auf Fohlen der Freiberger- rasse beruht, reicht bei weitem nicht aus und macht nur rund 10 Prozent des Gesamt- konsums aus. Der grösste Teil des importierten Pferdefleisches stammt gemäss Angaben der Branchenorganisation Proviande hauptsächlich aus Kanada mit 2'737 Tonnen im vergangenen Jahr. Gleichzeitig hat Mexiko mit einem Anteil von inzwischen 1'030 Tonnen (im Vergleich: 2005 waren es noch 64 Tonnen) markant zugelegt.

Doch nicht nur die überlangen Transporte sind ein Problem. Das Lebensmittel- und Veterinäramt der EU hat nach einem Inspektionsbesuch im vergangenen Herbst in den mexikanischen Schlachthöfen beträchtliche Mängel festgestellt.

Tierschutz muss auch für Importe gelten

Jedes vierte Kilogramm Fleisch, das in der Schweiz verzehrt wird, stammt aus dem Ausland. Ob Pferdefleisch aus Mexiko, Poulets aus Brasilien, Schaffleisch aus Australien oder Kaninchenfleisch aus Ungarn, ein Grossteil der jährlichen 103'000 Tonnen Fleisch- importe (Poulets: 44'000 Tonnen/Jahr, d.h. über 50% des Inlandkonsums; Schaffleisch: 5'700 Tonnen/Jahr, d.h. knapp 60% des Inlandkonsums; Kaninchenfleisch: 1'700 Tonnen/Jahr, d.h. ca. 70% des Inlandkonsums) stammen aus Tierhaltungen, die nicht einmal den Minimalvorschriften der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung genügen, geschweige denn den Vorstellungen der Konsumenten an eine tierfreundliche Haltung entsprechen.

Mit diesem importierten Tierleid unterstützt die Schweiz Tierfabriken und Massentier- haltungen im Ausland und konkurrenziert ausgerechnet jene Schweizer Bauern, die auf tierfreundliche Haltung setzen. Der Schweizer Tierschutz STS fordert deshalb die Im- porteure, den Detailhandel und das Gastgewerbe auf, nur Fleisch aus Produktion anzu- bieten, das wenigstens dem schweizerischen Tierschutzstandard entspricht. Als positives Beispiele wertet der STS die kürzlich vom Parlament verabschiedete Deklarationspflicht von ausländischem Kaninchenfleisch sowie die Bestrebungen gewisser Detailhändler, auf tierschutzwidrige Importe zu verzichten und dafür tierfreundlichen Schweizer Produkten eine Chance zu geben. Nach Ansicht des STS darf der Tierschutz nicht dem kurzfristigen Profitdenken geopfert werden. Grundsätzlich rät der STS den Konsumentinnen und Konsumenten, im Laden nur inländisches Labelfleisch aus tiergerechter Produktion zu kaufen und beim Restaurantbesuch auf ausländische Fleischherkünfte zu verzichten.


Für Rückfragen:
Geschäftsstelle Schweizer Tierschutz STS, Telefon 061 365 99 99