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Häufung von Tiervergiftungen: Was im Ernstfall zu tun ist
(22|02|10) Die Hundevergiftungen von Zürich-Höngg sind keine Einzelfälle, wie eine Recherche des Schweizer Tierschutz STS in den Medien und bei seinen lokalen Sektionen zeigt. Der STS mahnt Tierhalter zur Vorsicht und gibt >> Ratschläge, was bei einem Verdacht auf Vergiftung zu tun ist.

Der Hundevergifter vom Hönggerberg in Zürich erregt derzeit landesweit Aufsehen. Mehrere Hunde mussten mit Vergiftungserscheinungen zum Tierarzt gebracht werden, zwei von ihnen sind bereits gestorben. Die Fälle in Zürich-Höngg haben grosse Publizität erlangt. Und doch sind sie nur die Spitze des Eisbergs. Bereits anfangs Februar berichtete der "Tages-Anzeiger" von drei Hunden, die im letzten Halbjahr in der Region Wald (ZH) mit Rattengift getötet wurden. Mitte Januar vergiftete ein 80-jähriger Mann in St-Leonard im Wallis mehrere Hunde mit Giftködern. Drei Tiere starben. Der Mann ist geständig, zu seiner Rechtfertigung gab er an, "er habe mit den Ködern Füchse vergiften wollen". Ob auch Füchse gestorben sind, ist nicht bekannt.

Anfangs Januar schrieb das "St. Galler Tagblatt" über den Tod der 10-jährigen Hündin Maica, die mutmasslich an einem vergifteten Köder gestorben ist. Im Sommer letzten Jahres berichtete die "Basellandschaftliche Zeitung" über mehrere Hundevergiftungen in Bubendorf (BL). Viele Fälle werden indes gar nicht publik, wie eine Umfrage des Schweizer Tierschutz STS bei seinen lokalen Sektionen zeigt. So weiss Armando Besomi von der Società protezione animali di Bellinzona von zehn vergifteten Ködern, die letzten Frühling bei der Hundestation Gorduno gefunden wurden. "Nachdem sicher war, dass es sich um Giftköder handelte, gelangten wir an die Presse", so Besomi. "Einen Bericht gab es aber nie."

Auch der Tierschutzverein Biel-Seeland weiss von einem Vorfall mit vergifteten Wurst- stücken zu berichten. Ernest Schweizer: "Der Fall ereignete sich vor einem Monat. Ein vergiftetes Wurststück konnte sichergestellt werden." Mehrere Hundebesitzer mussten mit ihren Tieren den Tierarzt aufsuchen. Einen Todesfall gab es nicht. Ein weiterer Fall wurde vom Tierschutzverein Obwalden gemeldet, wo Mitte Februar in Sachseln ein Jagdhund mutmasslich vergiftet wurde. Der Fall wird laut Romy Frey vom Tierschutzverein Obwalden gegenwärtig abgeklärt. Nicht nur Hunde werden Opfer von Vergiftungen. So berichtete der Blick im November letzten Jahres von 17 Katzen, die bei der Katzenpension Finsterwald im Entlebuch (LU) mit Rattengift umgebracht wurden.

Täter werden nur selten bestraft
"Die Täter werden leider nur sehr selten gefasst", sagt Hansuli Huber, Geschäftsführer Fachbereich des Schweizer Tierschutz STS. "Die Behörden behandeln die Vorfälle nicht prioritär, und wenn einmal ein Täter gefasst wird, kommt er oft mit einer viel zu milden Strafe davon." So weiss der Rechtsdienst des STS von einem Fall im aargauischen Döttingen, wo eine Katze von der Nachbarin der Halterin vergiftet wurde. In erster Instanz wurde die Täterin zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Erst auf Rekurs der zu- ständigen Staatsanwältin wurde die Strafe deutlich erhöht. In vielen Fällen lässt sich die Vergiftung aber gar nicht erst nachweisen. Auch reichen die Halter der Tiere oft keine Anzeige ein, sei es, weil sie Angst vor Repressalien durch die Täter haben, sei es, weil sie von den ermittelnden Behörden keine Unterstützung erwarten können.

Die fehlende Entschlossenheit der Behörden ist gemäss Huber einer der Hauptgründe, wieso der Schweizer Tierschutz STS die "Initiative gegen Tierquälerei und für einen besseren Rechtsschutz der Tiere" (Tierschutzanwalt-Initiative) lanciert hat. Die Initiative will alle Kantone der Schweiz verpflichten, einen Tierschutzanwalt zu ernennen. Dieser hätte in Strafverfahren gegen Tierquäler Parteirechte und könnte zu milde Urteile oder ungerecht- fertigte Einstellungen von Verfahren anfechten. Der Kanton Zürich hat als einziger Kanton der Schweiz seit 1992 einen Tieranwalt. Die Tierschutzanwalt-Initiative kommt am 7. März zur Abstimmung.


Für Rückfragen:
Geschäftsstelle Schweizer Tierschutz STS, Telefon 061 365 99 99